Gedicht „Der Buschbeller Wald“ von Gert Robert Grünert

Der Buschbeller Wald

Auf angehobnem Urmeerstrand

Der Buchen allerschönste lichte Silbersäulen

Darunter dunkelweiches Moos auf feinem weißem Sand

In Senken kleine Tümpel zu verweilen

 

Er war ein Paradies und ist ein Schatz noch immer

Wandertage querten ihn/ Segelflieger flogen los von hier

Für manche jetzt/ doch bloß ein Hindernis/ noch schlimmer:

Ein reines Ärgernis auf Plänen aus Papier

 

Drauf Trassen sind zu sehen/ Aufforstung/ zwei drei Bäumchen

Wo Lobbies sich bekunden Kommerz und Käuflichkeit

Die Buchen schneidet man und sich ein gutes Scheibchen

Scheuklappen legt man an wo man ein Kontra scheut

 

Mit acht neun Jahren wachten wir zur Nacht

Sankt Georgs Jungen- meistens ernst und echt

In Birkenhainen Schonungen voll Tannen

Als Maibaumwache Christbaumwacht

Und heute macht man sich mit Wäldern plump von dannen

Und niemand stört es recht …

Wir sind Asphalt gewöhnt/ uns wundert nicht wenn die Maschine tönt

Vielmehr erstaunen Kolonien von seltnen Fledermäusen

Die in leisem altem Flug im Abenddämmer kreisen

Wir selber sind vom Raschen überwunden

Wir sind naturentwöhnt/ und wissen kaum Natur noch zu bekunden

Ja beinahe so als ob/ der Wald Kulisse wär

Fassade/ eine Mär

Und kein/ ob fern ob näh`r/  reales Biotop

 

Die Wege einst war`n ein Spalier aus Schlehen

Hohlwege führten tiefer in den Wald

Rings gab es manche Pfade schwer zu gehen

Mit Brombeerbüschen die`s zu queren galt

 

Die Steilheit des Geländes zwang uns die Räder schieben

Manchmal im Herbst lag hüfthoch Blatt an Blatt

Dann ließen wir die Räder am Rand gefahrlos liegen

Und sahn uns Stunden nicht am Blätterregen satt

 

Pfadfindernd trieb es uns mit Freunden und Geschwistern

Zu jeder Jahreszeit an diesen Zauberplatz

Im Winterdunkel hörten wir es düster knistern

Im Frühling gleißten wie Juweln die Tropfen in dem Schatz

 

Wir saßen in den Bäumen unter Riesenwellen

Von tiefem Raunen friedlich grünem Rauschen

Wir hatten unsre Plätze heiligstille Stellen

Warn wie geheilt uns flüsternd auszutauschen

 

Von Ästen und von Hügeln ließen wir

Uns frei und glücklich aufs Moos niederrollen

Und dieser Glücksrausch sorgte auch dafür

Dort wieder hinzufahrn und froh herumzutollen

 

Nicht selten war ein Molchteich unser Ziel

Wir fingen Molche braune und die  bunten

Sie dann betrachtend die da blieben kühl

Ließen wir sie wieder frei dort unten

 

Ich selbst gehörte zu den wenigen

Die meinten daß sie wirklich ihn gesehen

Den einen Molch/ die „weiße Königin“

/ Läßt ohne Phantasie denn Kindheit sich bestehen?

 

Nachrichten überbrachte ich im Kreis der Wölflinge

Der Jungpfadfinder bei Geländespielen

Man kämpfte halt nach Kinderart recht gern

Begann doch langsam auch schon jene Zeit zu fühlen

In der Erwachsensein und Kindsein sind gleich fern

 

Die Namen all der Wölfchen/ Kameraden

Vergaß ich bald/ beinahe der ganzen Schar

Nicht aber das Gefühl in grünem Licht zu baden

Und wie`s das Herz des Jungen füllte der ich war

 

Die Zeit schien zu verfliegen/ ob uns Vertrautes locke

Ein „Ewig“ wird nicht lang

Man lernte sich genügen/ im Klang der Waldesglocke

Ob sie nun stillstand oder kräftig schwang

 

Man lernte In -sich- gehen

Auf jedem Hügel und in jeder Kuhle

Es schien ein Die-Welt -zu-verstehen

Der Kinderseele Schule

Was da an Ort und Friedlichkeit

Zutraun und Hoffnung um sich scharte

Und sorgte für Geborgenheit

Die sich im Fühln bis heut bewahrte

 

Das Raunen aus den Schatten

Das Flüstern aus den Lichtern

Die`s Laub durchdrungen hatten

Mit oft hellgoldnem Schein …

Noch heute fühl ich mich/ als ob mein Herz es braucht

Wenn ich alleine bin/ und manchmal wenn ich dichte//

Ins Silbergrün des Zaubers eingetaucht

Scheint dann mir dies Gefühl

Es ist unendlich viel

Der einzig treue Sinn/ … die Kindheit selbst- zu sein.

 

DSC_0723

„Auf angehobnem Urmeerstrand

Der Buchen allerschönste lichte Silbersäulen“

(Foto: Birgit Vonester)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s