Gesprochenes Wort gegen geschliffene Axt – Kölnische Rundschau vom 14.10.2013

Waldlesung Rundschau web

http://www.rundschau-online.de/rhein-erft/autorenkreis-gesprochenes-wort-gegen-geschliffene-axt,15185500,24615340.html

Frechen –

„Wir sind Asphalt gewöhnt. Uns wundert nicht, wenn die Maschine dröhnt“, liest Gert Grünert aus seinem Gedicht „Der Buschbeller Wald“. Die jährliche Wanderung des Autorenkreises Rhein-Erft im Frechener Wald stand dieses Jahr im Zeichen des Waldschutzes.

In Kooperation mit dem BUND Rhein-Erft und der Greifvogelschutzstation Buschbell machte die literarische Wanderung auf die Gefährdung des Buchenwaldes in Frechen aufmerksam. Denn unter dem Forst bei Frechen liegt einer der wichtigsten Rohstoffe der Welt: Quarzsand. Die Quarzwerke bekamen von der Bezirksregierung Arnsberg schon 2001 einen Rahmenbetriebsplan zum Abbau des Quarzsands genehmigt. Die südlichen Abschnitte des Waldes sind bereits gerodet und Quarzsand wird abgebaut.

Der BUND bemängelt jedoch seit Bekanntwerden des Rahmenbetriebsplans, dass viele im Wald beheimatete Tierarten nicht berücksichtigt werden. Nach europäischem Recht geschützte Tierarten und weitere selten gewordene Arten wie Mittel- und Schwarzspecht, Waldkauz und Waldohreule sowie mindestens acht Fledermausarten seien im Wald beheimatet und würden mit der Rodung ihren Lebensraum verlieren, sagt Tanja Keßels vom BUND. Auch seltene Orchideenarten seien im Frechener Buchenwald beheimatet.

„Es war ein Paradies und ist ein Schatz noch immer“, liest Grünert. Auf der Wanderung zeigt Keßels den bereits gerodeten Bereich und weist auf Tier- und Pflanzenarten hin, die mit dem Buchenwald ihren Lebensraum verlieren. „Spätestens, wenn der Buschbeller Wald fällt, haben wir hier die waldärmste Gegend in ganz Nordrhein-Westfalen“, sagt Keßels.

Auch die Autoren Kay Löffler und Andreas Rumler vom Autorenkreis Rhein-Erft lesen auf der Wanderung. Rumlers Gedichte und Löfflers Jugendroman „Dorf der Wolkenmacher“ reagieren auf den Braunkohlenabbau im Hambacher Forst. „Dort, wo das Grün und der Himmel sich treffen, sah er einen Tagebaubagger“, heißt es in „Dorf der Wolkenmacher“. Wie geht man damit um, wenn der Wald, neben dem man aufwuchs, gerodet wird, fragt sich der Autor. „Wir kämpfen gegen die gleichen Gegner“, vergleicht Rumler die Situation im Buschbeller Wald und im Hambacher Forst.

Im Moment steht ein Hauptbetriebsplan zur Genehmigung an, der auch den Waldabschnitt bei Buschbell einschließt. Erstmals reagiert die Bezirksregierung allerdings auf die Einwände des BUND. Die Quarzwerke müssen nun prüfen, ob tatsächlich geschützte Arten gefährdet werden. „Wir gehen davon aus, dass die Quarzwerke im Artenschutz nachbessern müssen“, sagt Keßels.

– Quelle: http://www.rundschau-online.de/3054624 ©2016

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